Samstag, 10. Januar 2015

Schmerz und Glück

Die Schmerzen in Ihrem Arm wurden zeitweise unerträglich. Doch wie lange hatte sie auf diesen Tag gewartet. Zweifel, Ängste und die Frage nach dem Geld zögerten die Entscheidung immer wieder hinaus. Doch jetzt war es soweit. Jetzt gerade in diesem Augenblick. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. 
Ihre Mutter war, nunja, sagen wir mal, nicht so begeistert. Und immer wieder erwähnte sie vor ihr die Schmerzen. Schmerzen. Doch sie sagte sich: Ach, ich bin nicht so empfindlich. Kann ich alles ab. Bin ja nicht so wie du. 
Am Morgen bevor es losging, wurden die Zweifel allerdings immer größer. Ohne Frage wollte sie es, aber war sie stark genug? Was, wenn sie das Bewusstsein verliert, bittet es zu stoppen, es nicht beenden kann. Dann wäre sie doch nicht die, die sie dachte zu sein. 
Eine Sekunde hatte sie das Gefühl die Ängste würden sie überrollen. Das ungute Gefühl im Magen breitete sich langsam aus. Ihr Herzschlag wurde immer schneller. Dann begannen auch Beine und Arme, nur sehr unauffällig, aber doch unkontrolliert, zu zittern. Sie verlor für einen Moment den Glaube an sich selbst. Das war doch klar. Nichts konnte sie durchziehen. Immer wenn es unangenehm wird, gehen. Das konnte sie gut. Am Rande ihres Blickfeldes nahm sie kleine Sterne wahr, die zu tanzen begannen. Ohhhh nein, das passiert jetzt nicht! Reiss dich zusammen! Einatmen, Ausatmen. Sie hätte nicht hinsehen dürfen. Das bisschen Blut brachte sie also aus dem Konzept? Nein, nicht mit mir, dachte sie. Sie ließ ihren Blick schweifen. Die fast vertrocknete Blume auf der Fensterbank, die Liege am anderen Ende des Raumes. Sie wurde ein bisschen ruhiger. Sie dachte an einen Strand, Wasser, Meer. Entspannung, Ruhe und Glück. Lustig, dachte sie, wie man sein Gehirn austricksen kann. Ich kann das, sagte sie sich. Ich ziehe das jetzt durch. Ich bin nicht mehr die, die wegrennt. Damit verflog auch der letzte Rest Unsicherheit. Ihre Atmung war jetzt regelmäßig und ruhig. Hatte er was mitbekommen? Ihr Blick huschte kurz rüber. Konzentriert blickte er auf ihren Arm. Er ließ sich nichts anmerken. Vielleicht war das Chaos in ihr auch nur für sie sichtbar. Nach außen wirkte sie ganz ruhig und entspannt, erzählte ihr ihr Freund später. Er war überrascht, dass sie Schmerzen hatte. 
Ein bisschen war sie schon Stolz auf sich. Und zählt das nicht am meisten? Es sich selbst zu beweisen, auch wenn man kurz ins Straucheln gerät, sich zu fangen, alleine, und sich selbst zu überzeugen, dass man es schafft. Sich selbst zu glauben, dass man es durchziehen kann. Es sich auch erlauben, kurz ins Wanken zu geraten. Aber weitermachen, dass muss man. 
Dieses Tattoo auf dem Arm würde sie immer daran erinnern. Noch dazu war es wunderschön. Sie lächelte glücklich.

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